Die Flensburger Künstlerin Christiane Limper im Rummuseum vor ihrem Werk »Sklavenschiffe«.

Die Flensburger Künstlerin Christiane Limper im Rummuseum vor ihrem Werk »Sklavenschiffe«. (Foto: Lars Salomonsen)

Viele Interpretationen der maritimen Welt

Kunstaktion

Neun Künstler aus Deutschland und Dänemark haben sich mit dem Schifffahrtsmuseum ausein­andergesetzt.

Marc Reese (mr@fla.de)

fre, 03. dec 2010, 19:15

FLENSBURG. Welche Bedeutung hat die Geschichte der Seefahrt heute und welche Geschichten können uns die historischen Objekte im Schiff­fahrtsmuseum heute erzählen? Diesen Fragen widmeten sich neun Künstler aus Deutschland und Dänemark im Rahmen des Maritime Art Project. Sie ließen sich von Objekten und Themen des Flensburger Schifffahrtsmuseums inspirieren und erarbeiteten dazu Fotografien, Bilder, Videos, Collagen, Skulpturen und Klanginstallationen, die eine neue Sicht auf alte Dinge eröffnen sollen. Ihre Werke sind bis zum 30. Januar im Schifffahrtsmuseum zu sehen.

Es beeindruckt, was Johannes Caspersen, Rick Towle, Anka Landtau, Christiane Limper, Kim Olesen, Jacob Tækker, Adam Pultz Melbye, Morten Pedersen und Håkon Berre in Zusammenarbeit ins Museum integriert haben. Der Flensburger Johannes Caspersen etwa spielt regelrecht mit Skulpturen und Museumsexponaten, die miteinander konfrontiert.

Rick Towle aus Sønderborg ließ sich für seine »Verrückten Kapitäneª von einem Kapitäns-Bild inspirieren: An den hölzernen Balken hängen 22 Köpfe von Kapitänen aus Papier.

Anka Landtau lässt die Museumsbesucher durch ein selbstkreiertes Fernrohr gucken, um Fernweh und Abenteuerlust der Seefahrt in die Nähe zu rücken.

Nachdenklich stimmt bei der 1976 in Flensburg geborenen Künstlerin Christiane Limper das Werk »Sklavenschiffe« im Rummuseum. Darin thematisiert sie, dass die Rumproduktion Flensburg zwar Wohlstand brachte, dabei aber auch Ausbeutung und Sklaverei im Spiel waren. »Auch wir erwerben heute Dinge, die z.B. durch Kinderarbeit produziert wurden«, sagt Christiane Limper.

Der in Flensburg lebende Däne Kim Olesen zeigt sein Werk »Der Mast«, eine Stele als Symbol für die Leiden der Seeleute. Der Bildhauer ist von der Zusammenarbeit mit den acht Kollegen begeistert. »Es ist ein riesiges Erlebnis«, sagt Kim Olesen.

»Das Maritime Art Project soll keine Eintagsfliege sein. Es sieht bereits gut aus für Anschlussprojekte«, verriet Thomas Overdick, Leiter des Flensburger Schifffahrtsmuseums.

Im Frühjahr wollen sich die Künstler des Schifffahrtsmuseums in Aabenraa auf ähnliche Weise annehmen. Thomas Overdick richtet den Blick auf Sønderborgs als mögliche europäische Kulturhauptstadt 2017. »Dann wollen wir ein Kunstschiff auf die Reise schicken, das Sønderborg, Haderslev und Aabenraa anläuft«, sagte er.